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Sonntag, 16. Februar 2014

Kolumbien

Kolumbien.

Die im letzten Bericht angesprochenen Ferien liegen schon hinter mir und es wird Zeit euch davon zu berichten. Manu, Daniel und ich hatten also den Beschluss gefasst nach Kolumbien zu fahren. Nach anfänglichen Schwierigkeiten mit ausnahmslos allen Flügen die wir buchen wollten, kam am Ende doch die Wunschroute zu stande und am Morgen des 27. Januar ging es los.

Von Quito über Medellin nach Bogota, Kolumbiens Hauptstadt. Eine große Hilfe bei unserer Reise war Daniel, der in Bogota wohnt und nicht mit dem deutschen Freiwilligen Daniel zu verwechseln ist. Der kolumbianische Daniel ist der ehemalige Gastbruder von Manus Bruder und unser Gastgeber in Bogota. Desweiteren hat er unsere Flüge innerhalb Kolumbiens für uns gebucht und uns erzählt was man sich in dieser riesigen Stadt angucken solte. Wir kommen relativ spät an und haben am nächsten Tag Zeit uns die Stadt und besonders das Zentrum etwas anzusehen. Von Daniels Wohnung braucht man mit einem der lustigen kleinen Busse zwischen 40 und 70 Minuten ins Zentrum (stark verkehrsabhängig), wo sich die Sehenswürdigkeiten häufen. Trotz der beträchtlichen Größe der Stadt kann man sich gut orientiern; im Osten befinden sich die nördlichen Ausläufer der Anden, die Straßen sind durchnummeriert. Die Calles (Straßen) verlaufen von Westen nach Osten, etwas südlich der Stadtmitte liegt die Calle 0, nördlich davon Calle 1, Calle 2 und so weiter, südlich die Calles Sur  ( südliche Straßen ). Auf der Nord-Süd-Achse befinden sich die Carreras, die im Osten also nahe den Bergen mit der Carrera 0 beginnen und deren Nummer in Richtung Westen anwächst. Daniel wohnt in der Carrera 7 Calle 123, somit im Nord-Osten der Stadt.

Unser erstes Ziel ist der Monserrate (3152m), einer der Berge im Osten. es fährt eine alte Seilbahn hinauf, die ursprünglich aus der Schweiz kommt. Von oben hat man einen tollen Blick auf die Stadt, deren Ende man nur erahnen kann. Weitere Stationen unserer Sightseeinig-Tour sind das Goldmuseum und der Präsidentenpalast. Das Kulturprogram sollte eigentlich mit dem Boteromuseum fortgeführt werden, dass aber war geschlossen und den Torre Colpatria,  das höhste Gebäude Kolumbiens , heben wir uns für später auf. Am nächsten Morgen geht unser Flug schon früh nach Cartagena, so dass wir uns schnell zu Bett begeben. Daniel ist ein hervorragender Gastgeber und bietet uns sein Zimmer an. Leider steht trotzdem nur ein Bett drin, in dem maximal 2 Leute schlafen können. Da wir insgesamt drei Nächte in Bogota sein werden muss jeder einmal in den sauren Apfel beißen und auf dem Boden schlafen. Ich bringe es als erster hinter mich und kann das schlafen auf Fliesen nur bedingt weiterempfehlen.



Panorama vom Monserrate.

Daniel, Manu, ich .
Ebenfalls Monserrate.
Ein Exponat des Goldmuseums.


Mit der kolumbianischen Billigairline Viva Colombia geht es dann nach Cartagena de Indios. Cartagena protzt mit einer hübschen Altstadt, sowie mit dem hässlichen Hotelviertel Boca Grande. Wir wohnen Gott sei Dank in einem entspannten Hostal im historischen Zentrum und lassen uns von der karibischen Hitze umhauen. Wer die Andenstädte Quito und Bogota gewohnt ist, den bringt die schwüle Wärme ganz schön ins Schwitzen. Auch um 22 Uhr hat es noch 32 Grad. Da Manu sich etwas in Kolumbien auskennt folgen wir weitesgehend seinen Reiseempfehlungen. Die Erste ist der Playa Blanca (Weißer Strand), mit dem Boot gut zwei Stunden von Cartagena entfernt. Da unser Boot ein langsames Schiffchen ist und wir erst noch bei der Isla Rosario Halt machen, dauert die Hinfaht gefühtle fünf Stunden. Ich trinke zu wenig und kann mich zum Ende kaum auf den Beinen halten. Am Strand angekommen gibt es erstmal eine Ladung geschmacksneutraler Muscheln geschenkt, die man anschließend bezahlen soll.


Die hübsche Altstadt mit den kribisch bunten Fasaden.
Im Hintergrund Boca Grande.

Der Playa Blanca ist eine der Haupttouristenattraktionen in der Umgebung Cartagenas und dem entsprechend überrannt. Die meissten Touris kommen am frühen Nachmittag mit einem Boot an und fahren am späten Nachmittag mit dem selben wieder zurück. Da wir den Strand auch mal etwas ruhiger erleben wollen bleiben wir über Nacht. Da es keine Hotels oder Hostels gibt schlafen wir in Hängematten direkt am Strand. Was nach idyllischem Karibiktraum klingt ist in Wahrheit nicht besonders komfortabel. Man hängt in den Matten wie ein Schluck Wasser und Moskitonetze waren nicht vorhanden. Die Strapazen lohnen sich aber, da man so den Strand abends und morgens quasi komplett für sich hat. Der Sand ist weiß, die Plamen groß, das Wasser kristallklar und türkisblau. Am Vormittag leihen wir uns Jetskis aus und heitzen über die Wellen. Was Spaß macht ist meistens teuer und die touristischen Orte die wir in Kolumbien besucht haben liegen preislich etwas über ecuadorianischem Niveau. Wir werden viele hunderttausend, vielleicht millionen Pesos (2000 Pesos = 1 US Dollar) in einen entspannten und lustigen Urlaub investieren.


Sonnenuntergang am Playa Blanca.

Auf dem Rückweg nach Cartagena erwischen wir ein Schnellboot und donnern mal zu Wasser mal in der Luft in weniger als einer Stunde zurück. Was mir in der ersten Reihe ordentlich Spaß mach gefällt Daniel und Manu weiter hinten eher weniger. Wir bleiben noch eine Nacht, in der wir mit zwei weiteren Deutschen, die wir im Hostel getroffen haben feiern gehen. Man kann so einiges sehen, so zum beispiel wie ein Betrunkener einem noch Betrunkenerem auf der Straße lachend den Kopf tätowiert.

Das nächste Ziel heißt Santa Marta und liegt gut fünf Busstunden östlich von Cartagena. Von dort fahren wir weiter in das landschaftliche Highlight unserer Reise, den Nationalpark Parque Tayrona. Vom Eingang führt der Weg über palmenbewachsene Hügel, auf denen sich ab und zu große Felsen befinden. Der Park wird auch Parque de las Piedras (Park der Steine) genannt. Nach einiger Zeit lichtet sich der Dschungel und gibt den Blick auf das Meer frei. Auch auf den Stränden liegen teils haushohe Felsbrocken, die die Buchten einrahmen. Dahinter erheben sich die bewaldeten Hügel und Berge Nordkolumbiens. Wir haben uns etwas Proviant aus Santa Marta mitgenommen und genießen ein verspätetes Mittagessen auf einem der Felsen am Meer. Die Brandung ist nicht zu unterschätzen und es gibt starke Strömungen. Aus Euphorie und Übermut haben sich schon viele in die Wellen gestürzt und sind ertrunken. Warntafeln und rote Flaggen stehen überall.

Der Parque Nacional Natural Tayrona.

Nahe des Eingangs des Nationalparks


Der erste Blick aufs Meer zaubert einem ein breites Grinsen ins Gesicht.


Die Felsen befinden sich überall im Nationalpark.


Das lustige Deutsch darf die Ernsthaftigkeit der Aussage nicht in Frage stellen.
Die Hügel landeinwärts.

Ein kleiner Palmenhain bei unserem ersten Campingplatz
Die Bucht beim zweiten Campingplatz




Im Nationalpark gibt es zwei Campingplätze. Die erste Nacht verbringen wir auf dem dem Eingang näheren. Wieder schlafen wir in Hängematten, dieses Mal aber mit Mückenschutz. Wir begegnen einem Argentinier, der uns ein deutsches Buch schenkt, baden an Stränden, an denen es erlaubt ist und gelangen zum zweiten Campingplatz. Hier kann man auch in Zelten schlafen. Den Luxus wollen wir uns nicht entgehen lassen und stellen dann fest, dass es keine Matratzen gibt... wieder eine unbequeme Nacht. Am folgenden Tag klettern Daniel und ich ein bisschen auf den Steinriesen rum während Manu am Strand döst. Bald stoßen wir auf einen fluchenden Wanderer, der ebenfalls auf den Felsen unterwegs war. Jason kommt aus Bogota und hat sein Iphone in eine Spalte rutschen lassen. Hilfsbereit wie wir sind beginnen wir die Bergungsaktion. Nach einer Ewigkeit gelingt es uns zu dritt und mit Stöckern ausgerüstet, das Iphone aus der Spalte zu befördern. Da es permanent von Wasser umspült wurde ist es natürlich kaputt. Jason ist trotzdem (und zurecht) dankbar und verspricht uns ein Bier. Auch er ist auf unserem Campingplatz und es stellt sich heraus, dass er einige Zeit in der Schweiz gelebt hat und etwas Deutsch kann. Das Bier ist er uns allerdings bis zum heutigen Tage schuldig.

Wir bleiben drei Nächte im Park, dann geht uns das Geld aus und wir müssen zurück nach Santa Marta. Von da fahren wir wieder in Richtung Tayrona, dieses Mal aber noch weiter. Daniel (aus Bogota) hat uns Palomino empfohlen. Ein kleines Dörfchen, in dem sich entspannte Europäer und Nordamerikaner wohlfühlen. Am Strand gibt es ungefähr vier Hostels, von denen alle bis auf unseres relativ ausgebucht scheinen. Nichts desto trotz ist unsere Unterkunft sehr hübsch und eine Nacht lang haben wir das Häuschen sogar für uns alleine. Da die Busse aber nicht am Strand halten muss man entweder laufen oder sich den Mototaxistas anvertrauen. Mit all unserem Gepäck quetschen wir uns auf die klapprigen Maschinen und knattern den Weg entlang. Später begegnen wir einem Mann an der Bar, der sich als Moto Paisa vorstellt. Moto Paisa ist offensichtlich der Boss des Palomino-Mototaxi-Kartells und für die nächsten zwei Tage unser Chauffeur. Außerdem lassen wir uns von ihm auch ein "wahres Abenteuer" für den nächsten Tag andrehen. Wir werden in LKW-Reifen einen Fluss runtertreiben. Von Moto Paisa und seinen Männern werden wir mit den Reifen in den Wald gebracht. Wo der befahrbare Weg aufhört setzt man uns aus. "25 Minuten in diese Richtung und dann kommt ihr zum Fluss. Viel Spaß!". Die erste Angabe war in etwa korrekt, die zweite naja. Der Fluss ist elend langsam und an vielen Stellen so flach, dass man einfach stecken bleibt. Nach über zwei Stunden dahingegurke kommen wir zur Flussmündung. Von so viel Inaktivität steht uns der Sinn nach Bewegung und wir rennen mit den Reifen ins Meer. Ein bisschen reinschwimmen, große Welle, Reifen weg, naja dann halt so ans Ufer zurück schwimmen. Schwimm schwimm schwimm... ich komm nicht so recht voran. Wir haben uns genau den Strandabschnitt ausgesucht, an dem Schwimmen verboten ist, da man wegen den Strömungen nicht so einfach wieder an den Strand kommt. 15 Meter vom Ufer komme ich trotz größter Anstrengungen nicht vom Fleck und mir wird langsam mulmig. Von hier aus kann man prima die roten Flaggen am Strand sehen, die wir zuvor nicht so recht wahrgenommen haben. Nachdem ich mich ordentlich abgestrampelt habe kommt dann eine Art Bademeister, der zwar nicht ins Wasser springt, mich aber trotzdem rettet, indem er mir deutet zur Seite und nicht zum Land zu schwimmen. Nach drei Zügen kann ich stehen und es gibt überhauptkeine Strömung mehr. Etwas irritiert und ziemlich außer Atem gehe ich an Land, sammle meinen Reifen auf und versuche möglichst souverän zu wirken. Nach zwei Nächten in Palomino, dass zwar sehr schön ist, wo man aber außer Kartenspielen und fast ertrinken nicht viel machen kann, fahren wir in einem 6 stündigen Schwupps nach Cartagena zurück.

Eines der wenigen Bilder auf dem ich zu sehen bin. Rechts von mit Manu, auf dem Weg zum Strand.

Die Hostelanlage verfügt auch über einen Pool.

Gruselige Spinnen wie diese auf Manus Bett sind inklusive.

Es reihen sich die gemütlichen Häuschen aneinander.
Der Strand von Palomino an einem (wie immer) Wolkigen Morgen. Später klart es jeden Tag auf.


Ein kleiner Nachtrag zu Palominos Schönheit. Wer kein ausgewiesener Geographieexperte ist, den wird es vielleicht überraschen, dass Kolumbiens höhste Gipfel nicht in den Anden zu finden sind. Die Sierra Nevada ist mit über 5700m das höhste Gebirge und türmt sich direkt an der Karibikküste auf. Der Pico Cristobal Colon (5775m) liegt nur 45km vom Strand entfernt und macht die Sierra Nevada de Santa Marta zum höhsten Küstengebirge der Welt. Am weißen Sandstrand stehend kann man, am richtigen Ort und bei gutem Wetter, die schneebedeckten Berge hinter den Palmenwipfeln sehen. Dieser spektakuläre Blick bleibt uns verwährt, allerdings können wir von Palomino aus die Sierra Nevada erahnen.

Am nächsten Morgen fliegen wir nach Bogota. Es ist Samstag, Daniel hat frei und wird uns das kolumbianische Nachtleben näher bringen. Mit wenig Schlaf und leichtem bis mittlerem Kater geht es dann am frühen Sonntagnachmittag zurück nach Ecuador. Es bleibt ein Haufen Eindrücke aus Kolumbien haften und ich kann mit diesem Bericht nur bedingt vermitteln wie das Land auf mich gewirkt hat. Grungsätzlich kamen mir die Menschen sehr fröhlich und herzlich vor. Einige haben vielleicht die Vorstellung von einem Land in dem Drogenbarone a la Pablo Escobar das Sagen haben und in dem man sich seines Lebens nicht sicher sein kann. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt Sicherheitsbedenken und habe mich stets pudelwohl gefühlt.

Auf dem Torre Colpatria (196m, zweithöhstes Gebäude Südamerikas). Der Versuch sich aus Daniels Foto zu winden scheitert kläglich.

Man hat einen herrlichen Blick auf Bogota und seine 8 Mio. Einwohner.


Um etwa 22 Uhr bin ich dann zu Hause und gegen Mitternacht im Bett. Am Montag klingelt der Wecker um 6 und es darf wieder gearbeitet werden. Morgen ist Freitag und ich sehne mich danach mal wieder ausschlafen zu können.

Auf Grund einer unvorhersehbaren Laune meiner Schulleiterin werde ich wohl auch Samstag und Sonntag arbeiten. Am Montag wartet dann das Midtermcamp auf mich. Ja es ist tatsächlich schon Halbzeit in meinem Auslandsjahr. Was ich davon halten soll weiß ich nicht so genau. Die Zeit rast förmlich an mir vorbei. Bisher waren es sech intensive Monate und ich wünsche mir dass die nächsten genauso werden. Mittlerweile sind auch neue Freiwillige eingetroffen. Es sind zwar nur wenige aber sie werden sicherlich wieder ein bisschen Abwechslung bringen. Ich habe nicht so richtig Lust auf die 5 Monate pausenlose Arbeit die jetzt vor mir liegen, aber es wird schon irgendwie. Lichtblicke in dieser Zeit sind der Besuch meines Bruders, den ich kaum erwarten kann, und die kleinen Wochenendsausflüge. Demnächst ist wohl Mindo fällig, nichts spektakuläres aber trotzdem Erholung vom drohenden Alltag. Viel mehr bleibt mir nicht zu sagen. Kolumbien ist ein schönes Land! Ich habe Lust auf Kornflakes (komisch was man so vermisst)!

Bis die Tage Muchachos
Euer Felipao.

Freitag, 24. Januar 2014

Januar

Hallo Leute, mein letztes Lebenszeichen liegt kaum zwei Wochen zurück und schon versorge ich euch wieder mit Neuigkeiten.
Die dreiwöchige Pause von den Ferien geht zu Ende und bald sitze ich im Flugzeug nach Kolumbien. Es soll aber nicht der Eindruck eines Freiwilligen-Urlaubsjahres entstehen. Die zweiten Ferien die ich haben werde sind, mal abgesehen von der Zeit nach meinem Einsatz im Projekt und vor der Heimreise, leider auch die letzten und auf sie werden wieder einige Monate pausenloser Arbeit folgen.
Trotz der Kürze der letzten Arbeitsetappe ist einiges passiert. Ich wurde von meinen Aufgaben bei den sechsten Klassen befreit und darf mich fortan intensiever mit den dritten beschäftigen. Das Niveau des Englischunterrichts ändert sich dadurch allerdings kaum. Das ist weniger ein Lob für die Kleinen, als vielmehr der Tatsache geschuldet, dass sich das Lerntempo scheinbar antiproportional zum Alter der Schüler verhält. Ich unterrichte lieber lebhafte Drittklässler, als lethargische Sechstklässler.
Der normale Arbeitsalltag wurde dann noch duch das Erkranken einer Lehrerin weiter durcheinandergewirbelt. Laura, zuständig für die Elite der schwererziehbaren vierjährigen, genannt Inicial II C, verbrachte gut zwei Wochen im Krankenhaus. Um diesem Probelm Herr zu werden, wurde jeweils eine Hälfte der Rasselbande bei Inicial II A und eine bei Inicial II B untergebracht. Da betroffenes Lehrpersonal diesem Ansturm alleine nicht standhalten konnte, wurden Freiwillige herbeigerufen, um für Recht und Ordnung zu sorgen. Ich durfte also ganztags bei der A aushelfen und Klara bei der B.
Hier ist zu erwähnen, dass wir zwei neue Voluntäre an Bord haben. Klara und (H)elena, beide aus der Schweiz. (H)elena spricht, wenn sie will, ein fast akzentfreies Hochdeutsch. Das einizige was ich mit grosser Regelmässigkeit nicht verstehe ist ihr Name. Sie ist vielleicht knapp 30, kann kaum Spanisch und ist ansonsten recht lustig. Klara hingegen kommuniziert mit Antonia und mir in einer oft kaum zu deutenden Sprache. Es ist wohl Schwyzerdütsch das mit zufällig platzierten aah, ähh und hnns angereichert ist. Sie ist 70 Jahre alt und wollte sich daheim Spanisch duch autodidaktisches Studium selbst beibringen. Nach einiger Zeit hat sie das aber aufgegeben und muss nun nach eigenen Angaben dafür büssen, da sie quasi nichts versteht. Klara erscheint mir manchmal etwas verwirrt und überfordert. Ich befürchte, dass sie eines Tages verloren gehen wird. Als am Donnerstag Morgen ein Ausflug mit den Sechsten anstand, erschien sie nicht in der Schule. Am Telefon sagte sie dann sie wisse von nichts und sei noch zu Hause, obwohl auch der reguläre Unterricht längst angefangen hatte.
Zurück zu Inicial II A. Vielleicht auf Grund der "schwächer" besetzen Hilfsposition bei der B bekamen wir dann die nervigeren Kinder. Unter ihnen Miquel, unbestrittener König der Strolche. Ich glaube ich habe schon einmal kurz von ihm berichtet; jetzt widme ich ihm den Platz der ihm gebührt. Seine Herrschaft beschränkt sich nicht nur auf alle Klassen von Inicial I und II, sogar bei den Erstklässlern ist er gefürchtet. Die Hierarchie der (sehr) Kleinen schient primär durch deren Gewaltbereitschaft bestimmt zu sein. Generell schreckt fast keines der Kinder vor gewalttätigen Handlungen zurück. Allerdings endet ein "Kampf" sobald es einen Sieger gibt. Ein Kind heult, ein Kind lacht, völlig unabhängig davon ob es gewonnen oder verloren, ausgeteilt oder kassiert hat. Es kommt vor das ein Kind ein anderes schlägt und dann selbst weint, vielleicht aus Schreck oder (eher nicht) weil es die moralische Verwerflichkeit seiner Handlung erkannt hat. Miquel ist allerdings anders. Was ihn Heute zum König macht, wird ihm später wohl eine grosse Last sein. Er hat offensichtliche mentale Probleme. Ihm ist es unmöglich korekt zu sprechen, was aber vermutlich nicht auf eine physische Fehlfunktion zurückzuführen ist, da er schreien und "falsche Worte" sagen kann. Ausserdem scheint es ihm an Empathie zu mangeln. Nach einem unvermeidbaren Sieg in einer körperlichen Auseinandersetzung (auch die meisten Erstklässler überragt er spielend) hört er nicht auf zu Schlagen. Seine körperliche Unterlegenheit bezogen auf das Lehrpersonal erkennt oder akzeptiert er nicht. Dadurch bin auch ich Leidtragender. Die Aufgabenverteilung in den letzten zwei Wochen war in etwa wie folgt. Maryela kümmert sich um alle Kinder ausser Miquel, der ist meine Freude. Nachdem ich gebissen, geschlagen und getreten wurde, Miquel sowohl "Pipisch" als auch "Poposch" in seine Hose gemacht hat, bin ich froh, dass Laura wieder genesen ist und ich meinen alten Stundenplan verfolgen kann.
Neben dem bereits erwähnten Ausflug der Sechsten, bei dem ich nicht dabei war, gab es noch weitere, an denen ich Teilnehmen durfte. Schon vor einigen Monaten ging es mit den dritten Klassen in einen Wald namens Jerusalem. Ziemlich unspektakulär, darum habe ich davon auch nicht geschrieben. Nun busuchten alle Kinder bis zur ersten Klasse den Zoo in Guayabamba. Es gab einige Tiere zu sehen. Die Hauptattraktion war das Löwengehege. Es war einige Meter tiefer als das umliegende Gelände und so war der Zaun denkbar niedrig. Der vierjährige Ostin nahm das zum Anlass einen Selbstmordversuch zu starten. Auf halbem Weg nach oben konnt er jedoch abgefangen werden.
Ein anderes Mal habe ich die zweiten Klassen in die Mini-City begleitet. Auch Klara hätte dabei sein sollen, hat aber den Weg zum Bus (der vor der Schule stand) nicht gefunden. Die Mini-City ist eine Art Spielehalle. Die Kinder müssen "arbeiten", bekommen Geld und können damit den Eintritt zu tollen Aktivitäten kaufen. Ich bekomme 18 Kinder an die Hand. Alle Aktivitäten können nur in der grossen Gruppe gemaht werden und nie wollen sich alle 18 Kinder auf eine Sache einigen. Es ist ein grässliches und dämliches System. Meine Kinder sind beinahe so gefrustet wie ich und beschliessen schliesslich einfach schreiend umherzulaufen und sich in der riesigen Halle zu verstecken. Meine befürchtung ist dass ein Kind verloren gehen könnte. Am Ende des Tages habe ich aber 23 Kinder. Offensichtlich hatten die anderen Lehrer ähnliche Probleme.

Zum Abschluss noch etwas trauriges. Loba (Hund) ist tot. Von den anfangs drei Hunden ist also nur noch Candy übrig. Anstatt zumindest betrübt zu sein haben Johanna und Juanito fröhlich mit der Leiche gespielt, beziehungsweise sie geschändet. Ich war kurz davor den beiden eine zu feuern. Das Grab mit der winzigen Schaufel auszuheben war eine Schinderei und mir hat der Rücken tagelang wehgetan.
Desweiteren habe ich meinem Leben in der Dunkelheit ein Ende bereitet. Die Glühbirne in meinem fensterlosen Zimmer hatte den Dienst quittiert und ich musste das Licht im Bad (im Eingangsbereich gibt es auch kein Licht) anmachen und die Türen offen lassen um mein Zimmer, um die Ecke, mit einem schwachen Schein zu erleuchten. Rocio's tägliche Versprechen eine Birne zu kaufen blieben wochenlang unerfüllt und so habe ich mir dann gegen ihren Protest selbst die Erleuchtung besorgt.

Letztendlich ist dann sogar noch das Paket meiner Eltern angekommen. Nach über 6 Wochen erreichten mich ein toller Brief, leckere Kekse, ein dringend benötigtes Buch, ein ebenfalls benötigter iPod und etwas für die Gastfamilie. Der iPod wird gebraucht um Musik zu hören (so so); nachdem mein Smartphone gestolen wurde war das nicht mehr möglich. Mir wurde im übrigen auch noch mein zweites Handy, ein "Verykool" in der Schule geklaut. Jetzt bin ich stolzer Besitzer eines "BLÜ" in knallgelb. Von dem Buch wusste ich garnichts. Genausowenig war mir bewusst wie dringend ich es brauche. Meine Arbeit im Projekt und auch mein Leben in der Gastfamilie stellen mein Gehirn vor keine grossen Herausforderungen. Ich hatte gehofft, dass das Spanischlernen in einer Weise fordernd ist, dass es die mentale Abstumpfung, durch das sonstige Fehlen von kniffligen Aufgaben, verhindert. Vielleicht hoffentlich ist mein Spanisch bereits so gut, dass auch diese fremde Sprache im alltäglichen Gebrauch nicht mehr fordernd genug ist. Jedenfalls bemerke ich an mir selbst zunehmend geistige Schwächeanfälle. Ich schreibe diesen Blogeintrag und frage mich beängstigend lange was bei "Herausvorderung" nicht stimmt. Das Buch mit dem Thema Einführung in die philosophische Anthropologie bestätigt mich in meiner Befürchtung des zunehmenden intellektuellen Verfalls und wirkt diesem hoffentlich zugleich entgegen. Oft muss ich Sätze mehrmals lesen, obwohl sie verständlich formuliert sind. Es fällt mir schwer mehrere Seiten am Stück zu lesen und meine Konzentration lässt schnell nach. Ich werde das, was ich hier geschrieben habe, auch nochmal durchlesen, um sicherzugehen, dass es nicht allzu zusammenhangslos und wirr ist.

Ihr werdet wieder von mir hören, wenn ich aus Kolumbien zurück bin. Bis dahin wünsche ich euch viel Gesundheit und wenn möglich die Erleuchtung.
Euer Friedrich   

Samstag, 4. Januar 2014

Ruta Del Sol, Año Nuevo


Nachdem Weihnachten in meiner Familie ja eher unspektakulär über die Bühne gegangen war, sollte Silvester umso besser werden. Wir wollen Meer und wie geplant ziehen wir zu fünft am späten Abend des 25. Dezembers los. Von Quito zunächst nach Esmeraldas an der Küste, von dort immer weiter in den Süden. Die Strasse, die die Küstenstädte und -dörfer verbindet, heisst Ruta Del Sol (Route der Sonne).
Wir nehmen also wieder einen Nachtbus um die offensichtlichen Vorteile (schneller, man spart eine Nacht im Hotel) zu nutzen. Allerdings ist der Bus überragend schnell und so kommen wir mitten in der Nacht an, Pech. Da Esmeraldas recht hässlich sein soll, bisher habe ich es nur zwei mal bei Nacht gesehen, fahren wir gleich mit einem Taxi nach Atacames. Atacames ist quasi verwachsen mit Tonsupa, wo Daniel und ich schon waren. Wir irren auf der suche nach einer billigen Unterkunft etwas umher um dann eine in recht bescheidenem Zustand zu finden.
etwas dreckig
Dafür direkt am Strand. Im Eintrag Bilder der letzten Zeit könnt ihr ein Bild vom Strand in Tonsupa sehen. Ich war in diesem Urlaub eher Fotofaul und muss mir noch ein paar Bilder zusammenklauen.
Der Strand von Atacames schien etwas sauberer und touristischer als der in Tonsupa zu sein. (Ich weiss das man den Strand hier nicht sehen kann, aber ein besseres Bild kann ich euch gerade nicht bieten)

Die Sonne scheint, das Wasser ist warm und ohne Flipflops verbrenne ich mir schnell die Füsse auf dem Sand. Wir schlafen noch eine weitere Nacht in unserem Palast und ziehen dann weiter.

Die nächste Station heisst Mompiche und wird immer als entspanntes Fischerdorf angepriesen. In gewisser Weise trifft das auch zu, 500 Ecuadorianer bilden das Fischerdorf und die Gringos sind entspannt; und zahlenmässig nicht unterlegen. Je mehr wir uns dem 31. nähern, desto schwerer wird es Hostels zu finden. In Mompiche erhalten wir bereits die ersten Absagen. Schliesslich finden wir doch etwas recht hübsches und gehen baden.
Mompiche
Der Strand ist bei Ebbe recht breit und gut zum Fussballspielen. Wir finden, wie könnte es anders sein, weitere Deutsche und spielen gegen eine Horde ecuadorianische Kinder während die Sonne im Meer versinkt.
Am nächsten Tag leihen wir uns Surfboards aus und stürzen uns in die Wellen.
Bevor es losgeht: Julian, Daniel, Manu, Antonia, ich

Die Wellen sind für Anfänger relativ gross, schnell, selten und kräftig.
Für mich allerdings kein Problem ;)
Kleiner Spass, die Realität sah etwas anders aus.
Das ist Manu.
Geübte Einheimische geben eine bessere Figur ab.
Manchmal gelingt es mir zu stehen. Allerdings nicht länger als eine Sekunde. Knien ist leichter aber auch weniger cool, daher keine Alternative. Ausserdem ist Surfen echt anstrengend und so hören wir bald auf. Das Ego ist etwas angekratzt und muss unbedingt bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit wieder aufpoliert weden. Zunächst geht es aber nicht zu einem weiteren Surfspot sondern nach Pedernales.

Pedernales ist vergleichsweise gross und bietet die Gelegenheit an einem anderen Ort als dem Strand zu feiern. Ausserdem gibt es hier den längsten Strand Ecuadors. Satte 45km durchgehender Sandstrand. Man könnte einen Marathon laufen und wäre immernoch nicht am anderen Ende! Der Strand ist allerdings nicht der hübscheste den ich je gesehen habe und überlaufen von Ecuadorianern. Es gibt sonst nicht viel zu tun und so ziehen wir am folgenden Tag weiter. Zum Glück geht es nach Canoa. Hier kann man ebenfalls Surfen und ich bekomme die Chance meine offene Rechnung mit den Wellen zu begleichen.

Canoa an sich ist ein Stück grösser als Mompiche. Zahlenmässig gibt es wohl noch mehr Touris als in Mompiche, sie bilden aber nicht die Mehrheit, was mir ganz angenehm ist. Am ersten Abend waren wir noch nicht surfen, sonder einfach ein bisschen plantschen. Es geht deutlich flacher ins Meer und die Brandung ist permanent ungefähr fünf mal hintereinander vorhanden. Die Wellen sind langsamer und etwas kraftloser als die die ich zuvor erlebt habe. Der Strand ist eingefasst von Steilküsten und in der Abenddämmerung kann man die fernen Lichter von Bahia sehen. Die Atmosphäre ist tiefenentspannt und mir gefällt es fast noch besser als in Los Frailes. Wir treffen Lisa und Petra, ausserdem noch weitere Freiwillige aus Österreich.
Gerade bin ich mir ein bisschen unsicher was die zeitlichen Abläufe angeht aber ich denke am nächsten Tag waren wir dann surfen. Es ist leichter als in Mompiche. Ich kann öfter stehen und manchmal waren mir die Wellen sogar zu schwach. Am Ende bin ich wieder ziemlich erschöpft aber mit mir relativ zufrieden.
Bald nach dem Frühstück werden die Pläne geändert.

Der ursprüngliche Plan war am nächsten morgen nach Puerto Lopez zu fahren. wir schlafen aber länger als geplant. Trotzdem werden die Sachen gepacht und nach dem Frühstück gehen wir zum Bus. Auf dem Weg wird uns beim plaudern klar, dass wir eigentlich lieben in Canoa bleiben würden. Wir kehren also um. Ich komme mir sehr undeutsch vor. Ausserdem habe ich kurz befürchtungen unser Zimmer könnte weg sein. Es war in Canoa noch kniffliger eine unterkunft zu bekommen als in Mompiche. Das Zimmer war noch frei, allerdings unaufgeräumt. Zu unserem Entzücken war auch das Nachbarzimmer frei - und sauber. Da wir saisonbedingt einen Preis zahlen, der 50% teurer ist als normal, erlauben wir uns die kleine Schlawinerei und ziehen um. Adriana die Hotelbestitzerin ist not amused aber verzeiht uns schnell. Auch der extra Tag in Canoa gefällt mir gut. Dann wird es wieder Zeit zu verschwinden. Es ist schon der 31. und wollen in eine Stadt um dort gebührend das alte Jahr zu verabschieden und das neue zu begrüssen. Puerto Lopez ist aus dem Spiel. Zu klein, zu weit weg und mit Sicherheit ausgebucht. Wir wollen nach Manta!

Und deshalb fahren wir dann auch nach Manta. Auf dem Weg machen wir Halt in Bahia, dessen Lichter wir schon sehen konnten. Bahia liegt, wie der Name schon sagt, an einer Bucht, die von einer recht beeindruckenden Brücke überspannt wird.
Von der Brücke kann man zwar nicht viel sehen, dafür aber die Bucht von Bahia
Dann geht es weiter in die grösste Stadt unserer Reise. Im Reiseführer sind 400.000 Einwohner angegeben, Wikipedia sagt 200.000, die Wahrheit liegt wohl irgendwo dazwischen. Wir finden ein Hotel für 20 Dollar pro Person und Nacht, was doppelt so viel ist wie man normalerweise bezahlen muss. Dafür sind die Betten bequem. Oder sie wären bequem gewesen hätten wir sie genutzt. Das Feuerwerk haben wir vom Dach unseres, zum Glück relativ hohen, Hotels betrachtet. Ganz hübsch aber natürlich kein Vergleich zu Berlin. Danach stürzen wir uns in Mantas Silvesternachtleben. Am nächsten morgen geht unser Bus um 9:30 Uhr zurück. Einen Direktbus nach Quito haben wir nicht mehr bekommen, sodass wir über Santo Domingo fahren mussten. Besonders auf der zweiten Etappe gibt es ordentlich viel Stau und wir brauchen etwas 10 Stunden insgesamt. So richtig erholsam war der Urlaub zwar nicht, dafür aber sehr spassig und eine tolle Abwechslung zu den 4 Monaten Dauerarbeit zuvor.

Ende Januar haben wir dann schon wieder frei und fliegen nach Kolumbien. Allerdings mit dezimierter Gruppe. Daniel, Manu und ich haben die Flüge nach Bogota bereits und arbeiten an denen nach Cartagena.
Noch ein paar andere Sachen. Das Essen an der Küste ist dem der Anden vorzuziehen. Auch das Wetter an der Küste ist mir lieber als hier auf fast 3000m. Manchmal frage ich mich wieso ich nicht an der Küste arbeite, aber die Gedanken an Urlaub am Strand gefallen mir doch besser als die an Arbeit am Strand. Unsere Waschmaschine macht Wäche schmutzig und das Paket aus Deutschland ist nach einem Monat immernoch nicht da. Immerhin hat mich eine Karte meiner Grosseltern erreicht,über die ich mich sehr gefreut habe.
Das soll es erstmal von mir gewesen sein.
Bis zum nächsten Mal kehre ich euch den Rücken zu ;)
Hasta la proxima vez.
Euer Friedrich!

Dienstag, 24. Dezember 2013

Feliz Navidad


Es weihnachtet sehr in Ecuador. Allerdings grundsätzlich anders als in Deutschland. Ehrlich gesagt fühle ich mich ein bisschen deplatziert hier. Es ist so warm wie immer, die Sonne geht auf und unter wie im Hochsommer und ich bin umgeben von einer Art Hochgebiergswüste. Alles nicht sonderlich verwunderlich und keine große Überraschung aber es fühlt sich trotzdem seltsam an.
Neben den klimatischen Unterschieden ist die Herangehensweise der Menschen komplett verschieden. Statt ruhiger Besinnlichkeit und festlicher Stimmung hat das ganze eher was von Party. Am letzten Schultag vor unseren ersten Ferien, die nach vier Monaten nicht ungelegen kommen, gab es eine spektakuläre Weihnachtsaufführung. Darsteller waren erstaunlicher Weise nicht die Schüler, und Gott sei Dank auch nicht die Freiwilligen, sondern die Eltern. Ihre Aufführung wäre mit deutschen Eltern wohl ein Ding der Unmöglichkeit gewesen. Neben Klassikern wie der Weihnachtsgeschichte wurde auch Sonderbares gezeigt. Kurz nachdem die Heiligen Drei Könige das Christkind besucht hatten, stürmen Spiderman und Ironman die Bühne um sich ein denkwürdiges Luftschlangenduell zu liefern. Ein Esel tanzt umgeben von einer Horde Weihnachtsmänner und Weihnachtsfrauen. Einige Eltern führen als Geschenke verkleidet eine recht improvisierte Choreografie auf. Andere betreten die Bühne (das Sportfeld) als Rentner um sich dann die oberen Schichten ihrer Kleidung vom Leib zu reißen und sich auf seltsame Weise anzutanzen. Die Kinder sind begeistert, die Freiwilligen ziemlich verwirrt und sogar die Schulleitung wirkt ab und an etwas verdutzt. Zum krönenden Abschluss stürmen alle auf das Feld und tanzen zu drönender Discomusik. Besonders bei den Kleinen artet das in einer Art Hüpfwettkampf aus. 
 
Eltern als Geschenke





Spiderman ist bereit zum Angriff

Sämtliche Disney-Prominenz ist vertreten

Auch Ironman wird den Kampf nicht scheuen

Weihnachtsmänner kann man nie genug haben


Rentner die

sich ihrer Kleidung entledigen


Eltern denen es an Kreatvität mangelt tanzen einfach so.




Nochmehr Rentner





Die Party beginnt


Zum Schluss noch ein Paar ernste Worte der Polizei.



Auch ich bin ein Geschenk





Familienbild: Lenin, Margarita, Uropa (wurde nie mit Namen angesprochen), Lesley, Johanna, Rocio, Opa Juan, Juanito, Oma Salome.

Mein Zimmer; aus Gründen der Authentizität unaufgeräumt. Dank Neuanordnung der Möbel habe ich nun erstaunlich viel Platz. Ein Fenster leider trotzdem nicht.


Noch unter dem Einfluss dieses rauschhaften Festes geht es zurück in meine Gastfamilie, in der man das relative Gegenteil davon erleben kann.
Es gibt keine Weihnachtsdekoration und auch sonst nicht viel dass auf das nahende katholische Großereigniss hindeuten würde. Man könnte erwarten, dass in einem Land wie Ecuador, welches laut Statistiken fast ausschließlich von Katholiken bewohnt wird, etwas mehr religiöser Pathos mitschwingt. Besonders bei meiner Gastfamilie schwingt aber in der vorweihnachtlichen Zeit garnichts mit. Es ist klar, dass keine Geschenke ausgetauscht werden und an Weihnachten die Hälfte der Familie nicht anwesend sein kann, da gearbeitet werden muss.  Einen Totalausfall gibt es trotzdem nicht. Wir feiern heute (22.), da der Uropa zu Besuch ist. Wahrscheinlich ist er nicht älter als 65 und vielleicht gibt es auch noch einen Ururopa oder eine Ururoma. Der Abstand zwischen den Generationen fällt deutlich kürzer aus als in Deutschland. Mit 20 ist Frau oft schon Mutter. Ich bin mir nicht sicher ob ich irgendwas zu Weihnachten kaufen soll. Im Gegensatz zum Rest der Familie hätte ich natürlich die finanziellen Mittel aber die Vorstellung den reichen Europäer zu spielen, der den Kindern Spielzeug gibt wenn die Eltern es nicht können, ist mir äußerst unangenehm.
Für mich wird die Bescherung trotzdem nicht ausbleiben. Bald muss das Paket aus Deutschland eintrudeln. Leider haben wir seit einigen Tagen kein Internet mehr, weshalb ich nicht überprüfen kann ob mir meine Organisation eine Mail mit entsprechendem Inhalt geschickt hat. Da wir keine richtige Adresse haben können wir auch keine Post erhalten, sodass alles an die Organisation, die den Freiwilligendienst plant, geschickt werden muss und ich es von da abholen muss. Für den Fall, dass mich das Päkchen nicht rechtzeitig erreicht habe ich mir schon selbst ein paar Geschenke gekauft. Der aufmerksame Blogleser hat vielleicht bemerkt, dass ich jetzt ein "ß" benutzen kann. Grund ist dass ich Pauls Laptop gekauft habe. Weitere Selbstgeschenke sind neue Schuhe (6,50$), Fifa 14 und 5 Filme (zusammen 10$). Bald werde ich mir auch noch meine knapp 2 Monate lang verschollene Festplatte zurückholen, deren Ort ich nun kenne. Dann hab ich genug Filme und Musik um eventuell aufkommende Langeweile im Keim zu ersticken.
Da ja jetzt Ferien sind ist eigentlich auch Reisezeit aber bis kurz nach Weihnachten werde ich anstandshalber noch warten. Dann wird die Ruta del Sol in Angriff genommen. Die Küstenstraße führt etwa von Esmeraldas im Norden nach (da ich kein Internet habe kann ich es nicht genau nachgucken) Salinas, relativ im Süden. Leider muss ich schon am 2.1. wieder arbeiten, weshalb die ganze Strecke nicht machbar sein wird. Außerdem wird das die erste größere Reise die ich exclusiv mit Deutschen unternehme. So wie es aussieht machen Antonia, Daniel und Manu mit. Eine recht kleine Gruppe, was ja auch seine Vorteile hat. Nach diesen Ferien muss garnicht lange gearbeitet werden und es gibt wieder Freizeit. Die zweiten und damit auch schon letzen Schulferien vor den Sommererien beginnen Ende Januar und dauern bis etwa Mitte Februar. Auch dafür wurde und wird schon kräftig geplant. Ziel ist Kolumbien. Große Reise, daher noch kleinere Gruppe. Ich werde wohl mit Daniel und Manu durch das nördliche Nachbarland gurken. Ob die Flüge schon gebucht sind kann ich nicht genau sagen, da ich ja momentan kommunikativ etwas beschnitten bin. Es soll wohl erst nach Bogota und dann weiter an die Karibikküste gehen. Mit Sicherheit ein spaßiger Trip.
Estmal aber ein bisschen Weihnachten und dann Sylvester unter Palmen.
Hochgeladen wird dieser Artikel sobald es mir möglich ist. Ich wünsche euch ein frohes deutsches Weihnachtsfest, dass ich dem ecuatorianischen ehrlich gesagt vorziehen würde und einen fröhlichen Rutsch ins neue Jahr!

Kleiner Nachtrag vom 24. Da das Internet daheim weiter vermisst wird, sitzte ich in einem Internetcafe um euch meine Weihnachtswünsche doch übermitteln zu können. Morgen gehts an den Strand, mittlerweile weiss ich mit Sicherheit, dass zumindest die Flüge nach Bogota und zurück gebucht sind. Mein Kolumbienurlaub steht damit fest. Mehr gibts garnicht zu sagen. Ich melde mich im neuen Jahr wieder.

Schöne Feiertage! 
Euer Friedl