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Samstag, 5. Oktober 2013

Die Bilder der letzten Zeit

 Das Stadion wird sich noch füllen, allerdings weniger als erwartet.
 Der gute Mann im Anzug ist einer von vielen, die später brennenden Zeitungen schwenken werden
 Ein paar Bilder vom Rafting in Baños
 Ich war im lila Boot mit scharzem Helm
 Aber ich bin kaum zu erkennen... Hauptsache ein Eindruck kann vermittelt werden

 Ein Panorama im Innenhof der Schule
 Die Cancha bevor ich sie getrichen habe
 Ein paar Nachtaufnahmen vom Dach unseres Hauses

 Ein kleines beleuchtetes Kreuz ist der einzige Hinweis auf den stark verbreiteten, wenig praktizierten katholischen Glauben in Carapungo
 Ein Loro beobachtet die Kinder ab und zu beim Sportunterricht
 Hier sind die Linien schon aufgemalt. Im Hintergrund Heber mit dem ich bisher gearbeitet habe, jetzt hat er gekündigt
 Der Busbahnhof von Quitumbe, unser wöchenendlicher Treffpunkt
 Im Hotel in Baños: Das Waschbecken befindet sich ausserhalb der Toilette.
 Baños von unserem Hotel aus
 Der zentrale Park in Baños, ebenfalls aus dem Hotel fotografiert
 Das Zimmer von Daniel und mir

 Der Cotopaxi vom Busbahnhof Quitumbe
 Eins der wenigen Bilder die ich in Papallacta machen konnte. Wenn ihr Bilder von der Therme sehen wollt müsst ihr Papallacta googlen, ich wollte meine Kamera nicht mit reinnehmen
 Cuy am Mitad del Mundo
 Links die Südhalbkugel, rechts die nördliche Hemisphäre
 Das beliebteste Touristenfoto, leider liegt die Linie wie im Blog beschrieben deutlich daneben...

 Einer der Franzosen, die die Vermessung in den Sand gesetzthaben. Alle Teilnehmer der Expedition wurden mit solchen Statuen geehrt; im Hintergrund das Monument
 Gruselig grosse Insekten
 Die Touristen werden mit allerlei Hokuspokus bei Laune gehalten
 Man kann wiegen wie leicht man ist, da man ja weiter vom Erdmittelpunkt entfernt ist und somit die Gravitation schwächer ist (theoretisch richtig, mit dieser Waage aber eher sinnlos)
 Ein traditioneller Tanz wird nahe des Monuments aufgeführt
 Der Showmaster - man beachte seine Armbanduhr!
 Mehr Tanz
 Die Frauen sind der Tod (Masken)
 Der bewohnte Vulkankrater
 Die baufällige Brücke auf dem Weg zum Mitad del Mundo
 Blick von der Brücke
 Jeden Montag versammeln sich die Schüler um die Hymne zu singen und andere Dinge zu veranstalten
 Wäre das moderne Haus nicht (abgesehen von Hunden unbewohnt und nicht fertiggestellt) könnte man den Eindruck gewinnen man sein in Afghanistan
 Noch ein leerstehendes Haus in direkter Nachbarschaft
 Unser Haus
 Nochmal unser Haus, im Hintergrund das moderne Haus, rechts das andere leerstehende Haus
 Der Cayambe
 Planlose aus Dänemark, Island, Finnland, USA/Ecuador und ich als deutscher der das dokumentiert in der Nähe des Cayambe; auf der Rückseite des Schilds steht "Tumbaco 1km"
 Nochmal Cayambe
 Eine typische Szenerie in Ecuador
 Die Arena - eine wilde Konstruktion




 Die weisse Kirche mir Palme die hier in Ecuador nicht fehlen darf
 Die Farmleute haben (ich denke aus Langeweile) eine Katze für 2$ gekauft
 Llano Chico Fiesta
 Populärer andiner Kopfschmuck
 Gibt es keinen Torero der sich traut, dann hilft der Hund aus
 Manchmal gehts schief... ich glaube aber alle haben es gut überstanden. In Ecuador werden die Stiere nicht getötet sondern einfach wieder eingesperrt




 Unser Haus in Tonsupa
 Hängematten und hinten der Pool

 Hier kann man´s aushalten
 Kinder spielen auf der Strasse, etwa 150m von der Küste
 Ein typisches Costa-Taxi
 Der Pazifik
 Der Strand bei etwas bedecktem Wetter aber gut 30 Grad
 Ein kleiner Gecko, zu flink als dass ich ein besseres Foto hätte machen können
Die Kekskönige des ersten Schultags. Links Antonia, rechts Sandra und in der Mitte die Prinzenrolle Felipe

Und wieder ein kleiner Bericht

Vielleicht ist das nicht der richtige Zeitpunkt für einen Blogeintrag, weil ich nicht wirklich in Schreib-Stimmung bin, aber nach einiger Zeit der Arbeitsverweigerung ist unser Computer wieder nutzbar und bevor er erneut Urlaub nimmt will ich ein Lebenszeichen absenden.
Es geht mir, abgesehen von tolerierbaren Halsschmerzen und kleineren Magenproblemen, prima. Die Arbeit ist einigermassen zur Routine geworden und die Wochenenden sind weiterhin mit Erlebnissen gespickt. Ich habe das Gefühl, dass alle Freiwilligen so langsam ihre europäischen Verhaltensweisen ablegen und den ecuadorianischen Lebensstil annehmen. Zu merken war das zum Beispiel am vorletzen Wochenende.
Wie eigentlich immer wollten wir irgendwo hin und trafen uns daher im Busbahnhof Quitumbe. Im Gegensatz zu vorherigen Reisen hatten wir aber noch kein Ziel ins Auge gefasst. So kam es, dass wir völlig planlos vor der Tafel mit Reisezielen standen und uns jede Energie eine Entscheidung zu treffen fehlte. Nach vielleicht einer Stunde einigen wir uns dann auf den Cayambe ( der dritthöchste Berg Ecuadors ). Eine äusserst dämliche Entscheidung, da einige in Flipflops unterwegs sind und überhaupt keinem nach Bergsteigen zu mute ist; andere Aktivitäten gibt es am Cayambe allerdings nicht, ist halt einfach nur ein grosser Berg. Trotzem sind wir froh eine Entscheidung gefällt zu haben und fahren los. Der Bus schmeisst uns nach ewig scheinender Fahrt an einer Tankstelle bestimmt 5km vom Berg entfernt raus. Ernüchterung macht sich breit weil wir merken, dass wir mitten in der Einöde festsitzen, ohne Aussicht auf eine Bergbesteigung (die wir beim 5796m hohen, vergletscherten Gipfel eh nie geschafft hätten) oder eine andere Aktivit. Wir beschliessen also in der Tankstelle zu essen und das weitere Vorgehen zu besprechen, keiner wird eine Idee haben. Frustriert von unserer Dusseligkeit kehren wir zur Strasse zurück um einen Bus Richtung Heimat zu nehmen. Es will kein Bus kommen. Da fällt plötzlich jemandem das grosse Verkehrsschild, das über der Strasse thront, auf: "Tumbaco 1km". Hoffnung keimt auf denn von Tumbaco haben wir schonmal gehört. Nicht weit entfernt soll es eine Farm geben, auf der andere Freiwillige arbeiten, die sind allerdings zunächst telefonisch nicht erreichbar. Wir laufen trotzdem die Strasse runter in Richtung Tumbaco. Nach wenigen Metern folgt das nächste Schild: "Tumbaco 2km". Sowas kommt vor und wir lassen uns nicht beirren. Schliesslich erreichen wir Tumbaco und erfahren, dass es gerade heute eine tolle Fiesta geben soll. Ein nette Einheimischer bietet uns an auf der Ladefläche seinen Pick-ups mitzufahren - natürlich gegen Bezahlung. wir nehmen das Angebot an weil wir ja sonst nichts mit uns anzufangen wissen. Bei der Fiesta angekommen wird klar, dass es sich um einen Stierkampf handelt. Die Arena ist eine provisorische Konstruktion aus Holzplanken und Plastikfolie. Es gibt sogar einen mit Menschen gefüllten Oberrang - ein statisches Wunder! Die Stiere sind allerdings noch nicht in der Arena, sodass wir weiter ins Zentrum ziehen. Am, für ecuatorianische Örtchen obligatorischen, Kirchplatz ruhen wir uns aus und versinken einmal mehr in unserer Planlosigkeit. Wir versuchen erneut die Farmleute zu erreichen und haben schliesslich Erfolg. Nach einigem umhergeeier, Bus nicht weitgenug genommen, bis zu welchen Schild müssen wir laufen?, links oder rechts?, ruf nochmal an! schaffen wir es endlich zur Farm. Es wird ein bisschen geschwatzt und ich kann sogar ein Buch auf deutsch ergattern - Frank Schätzing, Limit, 1300 Seiten, wird demnächst in Angriff genommen. Dann wird es Zeit zu gehen denn wir wissen ja nicht wann der letzte Bus nach Quito fährt. Irgendwo am Strassenrand in einem Wald unweit der Farm gabelt uns dann ein Bus auf und bringt uns nach Quito. Die letzte Entscheidung des Tages steht an: etwas trinken gehen oder gleich nach Hause. Wie immer an diesem Tag ist es uns beinahe unmöglich irgendwas festzulegen und wir brauchen eine Ewigkeit um herauszufinden, dass wir besser nach Hause gehen. Im Hinterkopf haben wir nämlich schon den Strand, der am nächsten Wochenende folgen sollte.

Von sowie Planlosigkeit und fehlender Entscheidungsfreude erschöpft vergesse ich beinahe, dass ich mich am Sonntag mit Daniel verabredet habe. Er wohn in Llano Chico und es gibt, wie hätte es anders sein können, eine Fiesta mit Stierkampf. Da wir gestern nichts vom Stierkampf gesehen haben bin ich heute umso gespannter. Meine Gastoma hatte sich zuvor lustig gemacht, dass die Stiere so klein wären dass sie kaum laufen könnten und nichts gefährliches dabei sei. Der Eindruck den ich gewonnen habe ist etwas anders, zwar gibt es sicher grössere Stiere, aber ich habe mich nicht getraut in die Arena zu steigen (jeder der will kann das machen). So ging der Sonntag unterhaltsam zu Ende.

Von der Schulwoche will ich nicht so viel erzählen. Erwähnenswert ist, dass Luis, der Direktor, angekommen ist und dank 40 Jahren in der Scheiz fliessend deutsch spricht. Das erleichtert einiges...

Nun also zum Highlight, dem Strand! Ich hatte am Freitag zuvor doppeltsoviel gearbeitet wie normal und bekam dafür den nächsten frei. So konnte ich schon am Donnerstag los ( bei insgesamt fast 20 Stunden Busfahrt macht das an einem normalen zweitägigen Wochennede auch wenig Sinn). Wir rauschen von Quito - wie ich wohl schon oft erwähnt habe auf 2800m Höhe im Tal der zwei Hauptkordilleren der Anden gelegen - nach Tonsupa 0m überm Meeresspiegel. Es wäre wohl eine beeindruckende Fahrt gewesen, hätte sie nicht im Dunkeln stattgefunden. Aber egal. Nach kleineren Staus und Polizeikontrollen kommen Daniel und ich gut in Tonsupa an. Paul, Karoliina und drei Ecuadorianer waren schon im Auto vorgefahren, elf, beziehungsweise vierzehn weitere Freiwillige würden noch folgen. Wir haben für die drei Tage in Haus mit Pool und Jacuzzi am Strand gemietet, 120$ pro Nacht geteilt durch 18-21 sind ein guter Preis. Wir passen alle problemlos ins Haus und haben ein irres Wochenende. Details werden verschwiegen und nur ausgewählte Bilder hochgeladen. Ein paar Worte zum Ort. Tonsupa liegt zwischen Esmeraldas und Atacames und ist so klein, dass man es schnell übersehen könnte. Der Strand ist vielleicht nicht der paradiesischste aber für strandhungrige Freiwillige, vornehmlich aus Nordeuropa, spitzenmässig. Das Wasser ist wärmer als erwartet, Tonsupa liegt wohl so nördlich und hinter Land geschützt, dass der kalte Humboldtstrom aus der Antarktis, der sich seinen Weg an Südamerikas Westküste Richtung Äquator bahnt, nicht mehr dorthin gelangt. Die Wellen sind selten grösser als einen Meter und man kann in der Brandung prima auf dem Bauch surfen. Das Essen an der Küste gefällt mir ein bisschen besser als in den Anden. Wie zu erwarten war gibt es viel Meeresgetier kombiniert mit tropischen Früchten. Am besten hat mir Fisch in Kokossosse geschmeckt.
Im gegensatz zu Baños gibt es nicht viele besondere Aktivitäten aber die brauch man auch nicht wenn man der Strand, ein Haus und einen Haufen lustiger Menschen hat.
Uns hat die Zeit so gut gefallen, dass wir nächstes Wochenende wieder an die Küste fahren werden. Glücklicher weise ist der kommende Freitag ein Feiertag, sodass alle ohne Probleme am Donnerstag loskönnen. Das Ziel heisst Montañita und ist bekannt als Partyhochburg und Ort für Aussteiger.

Das war das letze Wochenende und logischer Weise hat sich wieder eine Woche Arbeit daran angeschlossen. Der Sportlehrer hat gekündigt, der Computerlehrer hat gekündigt und noch ein anderer Lehrer hat ebenfalls gekündigt. So viele Lehrer haben wir aber garnicht und ich denke die Schule steckt in ernsthaften Schwierigkeiten. Gestern habe ich mit Rocio darürber gesprochen und sie hat mir erklärt, dass die Lehrer auf den kleinen Privatschulen weniger vredienen als auf staatlichen Schulen. Ich hatte gedacht das Johannas Betreuung bei uns in der Privatschule ein luxus wäre den sich meine Familie gerade so leisten kann. Die Wahrheit ist, dass sich wegen Platzmangel auf der Staatlichen Schule nicht angenommen wurde und desshalb bei uns ist. Das ist doppelt tragisch, einerseits kostet sie die Familie so 80$ im Monat, andererseits muss Rocio wegen ihr in dieser Schule arbeiten, um sie nach Hause bringen zu können und verdient so gut 120$ weniger pro Monat. Dazu kommt dass Rocios Mann mit 26 Jahren an einem Herzfehler gestorben ist und Salome als Hausfrau und Mutter von Juanito so sehr eingespannt ist, dass sie nur etwa 2 mal pro Woche als Putzfrau in der stadt arbeiten kann und da kaum genug verdient um sich die Bustickets leisten zu können. Die finanzielle Not ist der Grund warum ich hier leben darf. Die Familie bekommt gut 200$ pro Monat für mich. ohne dieses Geld würde es schlecht aussehen, Unterstützung vom Staat gibt es nicht. Wer keinen Job hat wird zwangsläufig kriminell. Ich weiss von anderen Freiwilligen, die von ihrer Gastfamilie um Geld gebeten werden und auch etwas geben. Ich habe nicht das Gefühl dass das bei mir passieren wird, aber ich weiss auch noch nicht wie ich dazu stehen würde.

Jetzt das Letzte was ich berichten will. Am Mittwoch war ich mit einigen anderen im Stadion. Liga Deportiva Universitaria Quito gegen Deportivo Quito. Ein Heimspiel für la Liga im grössten Stadion Quitos (55.000 Plätze). Mit dabei war auch wieder Augustin (einer der Ecuadorianer, die uns am Strand begleitet hatten) der uns erklärt weshalb die Sicherheitsbestimmungen so strikt sind. Vor einer Woche kam es nämlich zu Kämpfen von Fangruppen mit tödlichem Ausgang. Meine Gastmutter hat mich vor dem Spiel gewarnt, der Sportlehrer (vor seiner Kündigung) hat Strassenschlachten prophezeit, doch wir sind neugierig und wollen etwas erleben.
Am Stadion angekommen erwarten uns Heerschaaren von Polizisten, Milität, Reiterstaffeln, Hundestaffeln, ein Panzerwagen der Polizei und Horden privater Sicherheitskräfte. Die Karte kostet offiziell 7$, auf dem Schwarzmarkt 8$ - ich kann mir ein Lachen nicht verkneifen. Wir werden am Eingang gebeten unsere Gürtel abzulegen (wir werden sie nie wieder sehen) was mir sehr ungelegen kommt, da ich in der weitesten meiner Jeans unterwegs bin. Nach dreimaligem Abtasten dürfen wir rein. Anstelle von Sitzen gibt es nur Sitzreihen, damit man im Falle eines Tores nach vorne Stürmen kann oder falls es zu langweilig wird durch schuppsen eine Menschenlawine auslösen kann. Trotz der brisanz des Derbys ist das Stadion nicht ausverkauft, ich schätze es waren 30.000 da. Ausserdem gab es Alkoholverbot und besagten Gürtelverbot obwohl die Fangruppen eh nicht aufeinandertreffen konnten. Zu beginn wurden haufenweise Fussbälle ins Publikum gefeuert, soviele, dass wir gleich drei fangen konnten ohne uns extrem bemühen zu müssen. Wir sassen mitten im la Liga Fanblock und begrüssten die gegnerische Mannschaft (auch um nicht negativ bei unserern Stehnachbarn aufzufallen) mit lautstarken hijo de puta (Hurensohn) Rufen. Jeder einzelne Spieler, der Trainer und natürlich der Schiedsrichter (das Spiel hatte noch nicht begonnen) wurde damit bedacht. Besonders lustig war ein Ligafan der, noch im Anzug, auf eine Barrikade kletterte und mit einer brennenden Zeitung umherfuchtelnd, den Gegnern den Tod wünschte. Es wurde 90 Minuten ohne unterbrechung gesungen und gebetet. Am Ende stand ein 1:1 das keinem Team weiterhilft und alle waren etwas enttäuscht. Am schwersten wiegt der Verlust des Gürtels. Ich werde mir am Montag einen neuen besorgen und auch gleich ein Geschenk für Johanna kaufen, die dann sieben wird.
Für dieses Wochenende habe ich nichts geplant. Ausruhen, gesund werden und Vorfreude auf den Strand stehen auf dem Programm. Nach der letzten Zeit brauch ein Päuschen, den anderen gehts genauso.
Gleich versuche ich noch Bilder hochzuladen. 70 sind geplant also macht euch auf was gefasst.

Bis demnächst, geniesst die Herbstkälte und alle deutschen Annehmlichkeiten. Dafür dass ich garnicht in Stimmung war ist es ja doch einiges geworden...
Ich meld mich bald wieder.
Euer Felipe.          

Freitag, 20. September 2013

Letzte Woche

Es ist zwar nur eine Woche seit  meinem letzten Lebenszeichen vergangen, trotzdem ist schon wieder genug passiert um damit einen weiteren  Blogeintrag zu füllen.
Um es euch einfacher zu machen versuche ich mal chronologisch forzugehen. Wie angekündigt sind wir also am Samstag nach Papallacta gefahren. Mittlerweile schon fast aus Gewohnheit haben wir uns am Busbahnhof in Quitumbe getroffen um den Auflug zu starten. Die meisten Freiwilligen die mitkamen, mich eingeschlossen, wohnen im Norden Quitos, Quitumbe liegt im äussersten Süden. Da die Stadt in ein Andental gequetscht ist, hat sie in etwa die Form eines Striches und obwohl in der gleichen Stadt liegen mein Wohnort und Quitumbe gut 40 Kilometer von einander entfernt. Um sich nicht durch den zähen Stadtverkehr quälen zu müssen fährt man am besten zur nächst grösseren Station - in meinem Fall die Entrada de Carapungo - und steigt da in einen privaten Transporter, dessen Fahrer behauptet dahin zu fahren wo man hinmöchte. Dieser nutzt dann eine der die Stadt umgebenden Schnellstrassen und wenn man Glück hat kommt man für gut einen Dollar dahin wo man möchte. Leider kommt es vor - so bei meinem ersten Versuch auf diese Art nach Quitumbe zu kommen - das der Fahrer einem dann auf halber Strecke erzählt er fahre "nur in die Nähe" und man landet planlos irgendwo im Süden einer lateinamerikanischen Millionenstadt. Doch dieses Mal ging alles gut, alle sind pünktlich und wir hoppsen in den Bus nach Papallacta. Nach einiger Zeit bemerken wir, das der Bus genau dahin fährt wo wir herkommen und wir hätten uns gut zwei Stunden sparen, und im Norden einsteigen, können. Die Enttäuschung ist schnell vergessen und man kann es eh nicht mehr ändern. Eine ziemlich ecuatorianische Einstellung die mir sehr sympatisch ist. Man macht sich allgemein wenige Sorgen und vergisst diese möglichst schnell wieder.
Wie bei jedem Wochenendsausflug bisher ist das Starren aus dem Busfenster eines der Highlights. Wir schlängeln uns von Quitos 2800m bis auf Papallactas 3300m hoch. Dabei passieren wir schroffe Berghänge, einen erstaunlich dichten und nordisch wirkenden Nadelwald und schliesslich auch die Baumgrenze. Danach befinden wir uns in einer Landschaft die Páramo genannt wird. Der Boden ist feucht, manchmal sumpfig, es wachsen keine Bäume mehr aber die Sträucher können mehrere Meter hoch werden. Der Nebel wabbert umher und bald nimmt er uns vollkommen die Sicht. Die anderen Freiwilligen, in diesem Fall vorallem Linda aus Island und Karoliina aus Finnland erzählen von nordischen Geschichten, die sehr gut ins Bild passen und so wird der Bus, optisch durch den Nebel von der Aussenwelt abgeschottet, zu einer Märchenstube in der die Fantasie schnell die Oberhand gewinnen kann. Die Gegend ist mystisch und hier soll der sagenumwobene Andenbär leben. Der Fahrer ist natürlich vom Nebel unbeeindruckt und treibt den Bus mit unverändertem Tempo weiter in Richtung Himmel.
An dieser Stelle möchte ich gerne ein paar Worte über ecuatorianische Busfahrer verlieren... .Bestimmt müssen sie offiziell einige Auflagen erfüllen - Busfahrer ist schliesslich ein sehr verantwortungsvoller Beruf - aber ich denke in der Praxis ist das nicht immer der Fall. Heute hatte ich einen Busfahrer (in meinem Vorort, bei längeren Fahrten hab ich sowas noch nicht gesehen) der aussah wie 15. Es wird generell gerne mit Bussen überholt. Am liebsten an nicht einsehbaren Stellen in den Bergen, bei Hügelkuppen und in Kurven. Meistens sind die Strassen in jeder Richtung einspurig, so das der Bus dann für etwa eine halbe Minute die Gegenfahrbahn blockiert. Falls dann ein Auto entgegenkommt ist das für den Bus natürlich kein Problem, er macht in der Mitte eine neue Spur auf und hat so garantiert Asphalt unter den Rädern. Das überholte Auto und der Gegenverkehr haben gegebenenfalls Pech und müssen teils die Strasse verlassen. Auch dichter Nebel - wie nahe Papallacta - oder dunkelste Nacht ohne Strassenlampen - wie bei der Fahrt nach Baños - stellen weder ein Problem, noch ein Grund zum langsamfahren, dar...
Als wir schliesslich bei Papallacta den Nebel wieder durchbrechen, aus der isländisch-finnischen Märchenwelt in die reale zurückkehren und den Bus verlassen hat sich die Szenerie erneut gewandelt. Statt Páramo gibt es wieder bewaldete Hänge und eine im extrem feuten Klima vor sich hindampfende Strasse.
Von den heissen Bädern an sich konnte ich leider keine Bilder machen, ich war in Badehose und modischer Schwimmkappe (in Ecuador scheinbar obligatorisch) unterwegs und wollte keinen Kameraschaden riskieren.
Allerdings habe ich mir die Bilder die bei Google als Ergebnis für "Papallacta" kommen angesehen und ja da waren wir. Aus 10.000.000 Metern Entfernung kann ich ein bisschen Neid spühren ;) .Das Wasser war zum Teil brutal heiss und ich hatte an dem Tag nur wenig getrunken. Nach kurzer Zeit im heissesten aller Becken bekam ich scheinbar ernsthaft Dehydrierungsprobleme und fühlte mich wie stark betrunken. Wankend rette ich mich aus dem besagten Becken, in dem man auf einer Art Steinliegen liegt und von unten beblubbert wird. Mit nicht ganz klarem Blick erspähe ich das kalte Becken und wate hinein. Auf Grund meines benebelten Zustands bemerke ich erst nicht wie sehr dieses Becken seinen Namen verdient hat. Ein paar Sekunden später scheint ein Herzinfarkt kurz bevorzustehen. Alle Benommenheit ist schlagartig vertrieben und es fühlt sich an als würden tausend Nadeln zentimetertief in meinen Gliedern stecken.
Danach halte ich mich sowohl bei dem heissesten, als auch dem kalten Becken zurück und geniesse die restliche Zeit. Mehr erwähnenswertes gibt es aus Papallacta nicht zu berichten und so werde ich mit Sonntag und dem Mitad del Mundo weitermachen.
Wie ich glaube ich schon in einem vorigen Blogeintrag erwähnt hatte kann man von unserem Dach aus den Äquator sehen. Allerdings nicht das berühmte Denkmal, welches ihn ziehrt. Mit dem Bus (diesmal bin ich schlau genug nicht nach Quitumbe zu fahren, der Äquator ligt etwa 4 Kilometer nördlich der Stadtgrenzen Quitos) brauche ich etwa 30 Minuten wobei Umsteigen und Wartezeit inklusive sind. Man nimmt den kleinen gemütlichen Pomasquibus bis der plötzlich anhält. Alle steigen aus und laufen die Strasse runter um die kleine Kurve, die vor uns liegt. Ich habe mir den Weg von meinem Gastvater beschreiben lassen, habe aber nicht alles verstanden und bin der Meinung es ist das schlauste den anderen Busbenutzern in diese Richtung zu folgen. Hinter der Kurve kommt dann der Grund für das Anhalten und schliesslich das Umkehren des Pomasqui Busses zum Vorschein. Eine kleine, einsturzgefährdete Brücke führt über eine ebenfalls kleine Schlucht mit einem kleinen Fluss, der sich seinen Weg in Richtung "Mitte der Welt" bahnt. Die Brücke ist für alle motorisierten Gefährte gesperrt. Die Fussgänger dürfen passieren.
Nach einem weiternen Bus und kurzer Zeit gelange ich dann zum Mitad del Mundo und treffe auf die anderen Freiwilligen, mit denen ich mich verabredet hatte. Wir gehen rein, schauen alles an und machen ein paar typische Touristenfotos (folgen im nächsten Blogeintrag, der fast ausschliesslich aus Bildern bestehen wird und vielleicht schon Morgen kommt). Das einzig wirklich interessante an diesem Ort ist, dass er ein Fake ist. Die Linie die den Äquator markieren soll liegt einige hundert Meter vom eigentlichen Äquator entfernt.
Wer ist Schuld? Zum einen die Franzosen, die im 18.Jh hierher kamen um zu vermessen ob der Erdumfang am Äquator grösser ist als über die Pole gemessen. Wie zu erwarten war haben die Franzosen es verbockt und den Äquator falsch bestimmt (für damalige Verhältnisse trotzdem ganz gut).
Zum anderen versucht sich der aktuelle Leiter des Mitad del Mundo Parks damit rauszureden, das der Baugrund am eigentlichen Äquator nicht für ein solchen Monument geeignet wäre. So richtig abkaufen will ihm das scheinbar keiner und der Äquator durchzieht Ecuador quasi komplet, sodass man halt irgendwo anders aber tatsächlich auf dem Äquator mit Sicherheit geeigneten Baugrund hätte finden können.
Wir sind anschliessend noch zum echten Äquator gegangen und haben irgendeinen bewohnten Vulkankrater besichtigt. Alles in allem eher unspäktakulär und ich kann euch sagen mit einem Fuss auf der Südhalbkugel und mit dem anderen auf der Nordhalbkugel zu stehen ist keine Lebensverändernde Erfahrung. Genug also von den Wochenendsausflügen.
Danach ging es schliesslich mit der Schule weiter. Hier hat sich einiges getan. Mein Stundenplan, der zunächst mit dem von Sportlehrer Uruguayo Heber Perez (seine Herkunft wird immer mitgenannt) identisch war, ist nur sehr individuell geworden. Ich arbeite 30 Unterrichtsstunden die Woche. Mit nur Sport war ich zunächst ganz glücklich aber ich wusste das Azalea, die Schulleiterin, mich lieber im Englischunterricht gesehen hätte. Ich bin natürlich kooperativ aber da sie eine Veränderung wollte hatte ich durch meine Einwilligung auch ein nicht unerhebliches Mitspracherecht. Um ehrlich zu sein konnte ich mir meinen Stundenplan selbst zusammenstellen, solange ich gut die Hälfte englisch einbaute. Ich hab mir für die ersten vier Tage der Woche ein ordentliches Programm auferlegt und arbeite dafür Freitags nur bis 9:45 Uhr. Wenig später kam eine weitere von Azalea erwünschte Änderung hinzu, auf die ich gleich eingehe. Das gab mir wieder etwas mehr "Macht" und die Dinge sind hier nicht wirklich in der richtigen Reihenfolge aber es ist jetzt so, dass ich am Freitag die doppelte Zeit arbeiten kann und dafür einen Freitag freibekomme. Ein ziemlich guter Deal  und extrem nützlich für ausgedehnte Wochenendsausflüge die ich jetzt also schon am Donnerstag Nachmittag beginnen kann. Doch nichts ist umsonst und Azaleas Bitte/Anordnung hat es in sich. Es ist mir eigentlich verboten zu unterrichten (nur Assistenz ist erlaubt), aber auf Grund schlechter Planung und Lehrermangel unterrichte ich jetzt vier mal die Woche zusammen mit Antonia ( eine andere Freiwillige die das auch nicht darf und ebenfalls keine Ahnung hat wie sowas geht) englich in der Inicial II C.
Donnerstags war es dann soweit. Wir stehen beide vor einem Haufen vierjähriger (sie können schon laufen aber kaum spanisch) und sollen diesen Würmern englisch beibringen, ohne das wir spanisch können. Es ist ehrlich gesagt das reinste Himmelfahrtskomando und obendrein scheinbar die erste Englischstunde im Leben dieser armen Schüler. Als wäre das nicht genug kommt der erschwerdende Faktor "Mikel" hinzu. Was Mikel genau hat weiss ich nicht aber es ist wohl irgendeine geistige Behinderung, die es ihn verbietet eine Sprache zu sprechen (Laute kann er von sich geben), aufmerksam zu sein oder die anderen Kinder in Frieden zu lassen. Für Mikel sitzt noch eine andere Lehrerin im Raum, sie kann kein englisch und hat auch keine Ambitionen uns in irgendeiner Weise beim Unterricht zu helfen. Die Stunde beginnt, ich weiss bereits von einem "speziellen" Kind in der Klasse, aber noch nicht das es Mikel ist. Meine erste Tat als Lehrer in Inicial II C ist es Mikel nach seinem Namen zu fragen. Er schaut mich an, verdreht die Augen, streckt mir die Zunge entgegen und schreit als würde er sterben. Dann kricht er unter den Tisch und will sich werder von mir noch von der Mikel-Spezial-Lehrerin hervorziehen lassen. Die anderen Kinder nutzen die Gunst der Stunde und es bricht Anarchie aus. Der Englischunttericht versinkt im Chaos. Der Klassenraum wird zu einem gesetzlosen Raum und Antonia und ich haben noch kein Wort auf englisch hervorgebracht. Später verlässt Mikel in Begleitung seiner Dompteurin den Raum und wir schaffen es das die Kinder im Chor "my name is" sagen. Trotz permanenter Übersetzung der drei Worte ins Spanisch scheinen nur wenige zu begreifen was sie da sagen, denn fast niemand wagt es an dieses Trio fremder Laute seinen eigenen Namen zu hängen. Nach 45 Minuten ist der Wahnsinn vorbei. Ich glaube nicht das die Kinder dumm sind, ich glaube das es eine dumme Idee ist ihnen jetzt schon englisch beibringenzuwollen. Vorallem bei derart unqualifizierten Lehrkräften wie Antonia und mir.
Mein Schultag besteht also in der Regel zunächst aus drei Stunden Sport, dann eine Pause (die einzige des Tages), darauf folgt Inicial II C wovon ich bestimmt bald Albträume haben werde und drei weitere Englischstunden in denen ich Alicia unterstütze. Widererwarten ist der normale Englischunterricht viel entspannter als der Sportunterricht. Es scheint als würden die Kinder all ihre Vernunft, ihre Moral und überhaupt alles was sie menschlich macht zusammen mit ihren Wasserflaschen - nach denen sie dann permanent schreien - im Klassenraum lassen. Die Wesen die dann auf dem Fussballplatz erscheinen sind rein triebgesteuert, wild und in ihren Handlungen unvorhersehbar.        
Wahrscheinlich kann man merken, dass heute ein anstrengender Tag, und ich nicht immer glücklich mit meinen Kindern, war. Allgemein macht die Arbeit aber Spass oder ist zumindest nicht schlimm. Ich habe heute das doppelte meines normalen Freitags gearbeitet, sadass ich den nächsten frei habe und an den Strand fahren werde. Gerade fühle ich mich so als hätte ich das dringend nötig...
Was ich dieses Wochenende mache steht noch in den Sternen aber ihr könnt gewiss im nächsten Blogeintrag davon lesen.
Ich hoffe ich kann gelegentlich etwas fernweh stiften, reisen macht spass, investiert euer Geld lieber in Erlebnisse als in materiellen Besitz - das soll glücklicher machen. Ich erlebe hier sehr viel und ja ich denke ich bin glücklich. In dem Sinne ein aussergewöhnliches Wochenende euch allen.
Der Kinderbändiger Felipe verabschiedet sich.
Chao.    

Freitag, 13. September 2013

Erster Monat

Seit genau einem Monat bin ich schon in Ecuador und es gefällt mir prächtig. Es ist einige Zeit seit meinem letzten Blogeintrag vergangen und vieles ist passiert...
Zum Beispiel geht Friedrich wieder zur Schule, nur dieses Mal in anderer Mission. Seit zwei Wochen arbeite ich also in meinem Project, dem Establecimiento Educativo Suizo Carlos Alvarez Muño. Das ist eine Schule für etwa 3 bis 13 jährige die gut 15 Busminuten von meinem Haus entfernt liegt. Ich arbeite von 7:15 Uhr bis 13:20 Uhr und bin gleich am ersten Tag zu spät. Mein Wecker klingelt pünktlich um 5:45 Uhr und ich schlürfe schlaftrunken zum Lichtschalter, klick, klick.. klick klick klick, nichts. Stromausfall - Super! Da auch unsere Dusche elektrisch geheitzt wird kocht meine Gastmutter allen Duschwasser. Es dauert ewig und wir verpassen den Bus. Endlich und wie gesagt zu spät in der Schule angekommen werde ich von den beiden Mitfreiwilligen Antonia ( Deutschland ) und Sandra ( Schweiz ) begrüsst. Sie sind als Prinzessinen verkleidet und verteilen Kekse. Wie zu erwarten war stehe ich kurze Zeit später als Prinz verkleidet und Kekse verteilend am Eingang. An jenem ersten Montag findet eine Art Einschulung und Begrüssung statt. Danach gehen die Schüler und zurück bleiben die Freiwilligen und Lehrer. Geplant war dass ich Englisch und Sport unterrichte, bisher war ich allerdings nur bei letzterem tätig und das kam so. Die Englischlehrerin mit der ich arbeiten soll ich seit dem ersten Tag krank und der Sportlehrer hat die Gunst der Stunde genutzt um mich voll in seinen Unterricht einzubinden. Der gute Mann heisst Heber und hatte am letzten Montag ebenfalls seinen ersten Tag im E. E. Suizo C. A. M. Er kommt aus Uruguay, hat ausserdem schon in Argentinien, Brasilien, den Vereinigten Staaten und sieben anderen Provinzen Ecuadors unterrichtet und hat einen dementsprechend unverständlichen Akzent. Die erste Amtshandlung des Sportlehrergespanns Heber/Felipao (so werde ich im Sportunterricht genannt) war das anmalen des Fussballfelds. Das Feld ist etwa 15x35m gross und aus Beton. Wir messen, markieren und malen bis uns in der äquatorialen Mittagssonne schwindlig wird. Nach fast drei Tagen Arbeit ist das Meisterwerk fertig (Bilder kommen bald). Ich bin glücklich ein sichtbares Resultat meiner Arbeit zu haben, denn besonders der Englischunterricht soll teilweise schlecht fruchten und somit deprimierend sein.
Ein bisschen mehr zur Schule: Da alle Freiwilligen am Ende ihres Jahres ein Gemälde an einer Wand hinterlassen ist die Schule äusserst bunt. Die Schüler tragen eine Uniform in den Schulfarben Beige, Helllila. Alle Lehrer sind nett und der Umgang mit den Schülern ist sehr familiär. Zu Beginn des Unterrichts ist es keine Seltenheit, dass Schüler zu den Lehrern rennen und sie mit Umarmungen begrüssen. Verbreiteter ist allerdings die Begrüssung per High-Five und Fistbump. Ich komme gut mit meinen Schülern klar auch wenn sie manchmal echt nerven. Da ich bisher nur draussen unterrichte werde ich teilweise heftig von der Sonne gebraten und muss aufpassen, dass ich genug trinke.
Allgemein habe ich mich gut eingelebt. Ich weiss welche Busse ich nehmen muss und auch wie ich diese wieder verlassen kann (oft ist das bedeutend schwerer als an Bord zu gelangen, die Busse die zur Schulzeit fahren sind unvorstellbar voll, oft bleiben die Türen bei der Fahrt geöffnet und Kinder hängen sich einfach von aussen dran). Besonders mit Rocio kann ich manchmal schon simple Gespräche fliessend führen, mit Heber bei weitem noch nicht. Allmählich gehen mir die Suppen, die es zweimal bei mir zuhause am Tag gibt, auf die Nerven aber dafür schmeckt mir das Frühstück immer besser.
Letztes Wochenende haben sich dann ein paar Freiwillige zusammengerottet und sind nach Baños gefahren. Baños ist mehr oder weniger die Gringohochburg (alle ausser Latinos sind Gringos) in Ecuadors Anden. Die Beschauliche 20.000 Seelen Stadt liegt etwa einen Kilometer tiefer als Quito, also auf gut 1.800m. Das ist deutlich spührbar, es ist wärmer und schwüler, nachts kühlt es nicht so empfindlich ab und die Berge sind bewaldet. Die Landschaft ist malerisch und meiner Meinung nach noch schöner als in Quito und Umgebung. Vom extrem modernen Busbahnhof Quitumbe in Quitos Süden fahren wir in kleine Grüppchen aufgeteilt gute vier Stunden (eine Stunde Stau) in Richtung Süden und erreichen Baños in der Dunkelheit. Ich sass in einem Bus der Gesellschaft Amazonas, von der mir Rocio nach dem Tripp erzählen wird, dass sie für Unfälle bekannt ist. Die Strassen sind oft unbeleuchtet in das grelle neonblau im Inneren des Bussen gibt einem das Gefühl, als würde man in einem Raumschiff durch das Nichts rasen. Generell kann man für eine Stunde Busfahrt ausserhalb von Städten etwa mit einem Dollar Kosten rechen. Wir zahlen also 3,50 Dollar. Falls ich es zuvor noch nicht erwähnt hatte, die Währung in Ecuador ist der US-Dollar, was einem teils lästige Rechnerei erspart (grob 1€=1,25Dollar). Dank der Hilfe von Paul, der schon einige Monate in Ecuador lebt und auch Baños schon besucht hatte, finden wir ein zentral gelegenes Hotel, dass fast Platz für alle hat. Ein paar Mädchen müssen sich Einzelbetten Teilen aber naja wir sind ja nicht des Hotels wegen hergekommen. Für zwei Nächte zahle jeder 14 Dollar, ein guter Preis wie mir Rocio bestätigen wird. Samstag stehen wir früh auf, denn es gibt viel zu erleben. Nach dem Frühstück wählen wir uns eine sympatisch scheinede Gruppe von Guides aus und los gehts. Die erste Aktivität ist Rafting im nahnen Rio Negro. Ob das der Beginn, ein Zufluss oder sonst irgendetwas vom grossen Rio Negro in Brasilien, der sich bei Manaus mit dem Amazonas vereinigt, ist weiss ich nicht; extrem unwahrscheinlich ist es aber garnichtmal, denn fast alle Flüsse die in dieser Region in Richtung Osten fliessen werden später zum Amazonas. Bald kommen auch vom Rafting Bilder, bis dahin lasst mich eurer Fantasie etwas zur Seite stehen. Der Fluss ist gespickt mit Stromschnellen und windet sich durch ein bisweilen steilen mit Dschungel bedecktes Tal. Die Stomschnellen werden auf einer Skala von 1 bis 5 gemessen wobei 5 das maximum ist. Im Durchschnitt ist unser Teil 3+ und einmal auch 4, später wird der Fluss zu einer einzigen 5, wie mir ein Guide mit funkelnden Augen versichert. Die Natur ist Atemberaubend, teilweise wird das Ufer von riesigen Felsen Gebildet, mittelgrosse ragen auch aus dem Fluss empor. Tropische Vögel fliegen umher und mehr als nur einmal bin ich so von der Umgebung gefesselt, dass ich beinahe aus dem Boot fliege. Andere haben weniger Glück und landen im manchmal reissenden Strom. Doch mit Neoprenanzügen, Schwimmwesten und Helmen sind wir gut gewappnet. Ich kann wirklich nicht genug betonen was für ein Paradis der Rio Negro und sein Tal sind, lehnt euch zurück, schliesst die Augen und lasst eurer Vorstellungskraft frei Bahn! Und macht die Augen wieder auf um weiter zu lesen, denn in Ecuador verpasst ihr auch in meinem Blog etwas interessantes wenn ihr mal kurz nicht hinschaut ;) . Nach einem stärkenden Mittagessen geht es weiter mit Canyoning. Eine kleine Erklärung: Ein Fluss, nicht ganz so gross und mächtig wie der Rio Negro, gräbt mit der Zeit eine Schlucht, also einen Canyon in die Landschaft. Es gibt Wasserfälle und eine späktakuläre Umgebung in der man sich austobt und immer weiter Flussabwärts geht. Ausserdem wird sich viel Abgeseilt und umhergesprungen, was mich mit meiner Höhenangst zum Teil meinen ganzen Mut gekostet hat. So bin ich zum Beispiel einen 6 bis 7 Meter Hohen Wasserfall runtergesprungen ( hoffentlich bekomme ich davon noch das Video/Bilder ) und hatte panische Angst nicht die tiefe Stelle zu treffen. Das Abenteuer dauert nochmals einige Stunden und somit füllen diese beiden Aktivitäten fast den kompletten Tag aus. Es kostet jeden 50 Dollar, die nicht besser hätten investiert werden könne als in diese Erlebnisse! Am Abend wird noch Alkohol in angemessenen Mengen konsumiert und in einem Club zu irgendeiner Latino-Dance-Musik gefeiert. Dann ist schon Sonntag und ich wollte doch eigentlich noch Bungeejumpen. Doch es beginnt zu regnen und ich bin pleite (Visakarte hatte ich nicht mit). Vielleicht sind das nur mangelhafte Ausreden, ich hätte mir ja Geld leihen können, aber so habe ich wenigstens einen Grund um nochmal zurückzukehren.
Auch für dieses Wochende habe ich mir wieder was vorgenommen. Morgen gehts wohl in die heissen Quellen von Papallacta und am Sonntag zum Midad del Mundo (Mittelpunkt der Welt oder mit anderen Worten Äquatorlinie). Bald lasse ich wieder von mir hören und auch Bilder folgen. Falls ihr jetzt ein bisschen Neidisch seit, dann erfreut euch an Deutschlands warmen kräftigen Duschen und den wechselnden Jahreszeiten - ehrlich ich vermisse sogar den Herbst ein bisschen. Noch elf Monate und ich bin wieder da.
Bis zum Nächsten Mal euer Friedrich-Felipe-Felipao.
Fühlt euch gedrückt und alles Liebe! :D